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Die Lammschlucht im Entlebuch ist einer der letzten natürlichen Flussabschnitte der Schweiz und Lebensraum für einige bedrohte Arten. © Aqua Viva 

Interview aus aqua viva 3/2024

Das Forellen-Paradies Lammschlucht bleibt unberührt

Ein Erfolg für die Natur! Esther Leitgeb hat genau hingeschaut 

Die einzigartige Lammschlucht war durch ein Wasserkraftwerk bedroht. Für die Anlage sollten dem Gewässer bis zu 90 Prozent des fliessenden Wassers entnommen werden – mit fatalen Folgen für die Natur. Dank des Engagements von Aqua Viva und anderen Umweltschutzorganisationen konnte die Lammschlucht jedoch erhalten bleiben.

Das Gespräch führte Christine Ahrend

Esther Leitgeb, viele Wasserbauprojekte von Kantonen und privaten Bauträger:innen gehen über Ihren Schreibtisch. Wie vertritt Aqua Viva in diesen Projekten die Interessen der Gewässer?

In der Regel werden wir frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen und können so bei der Projektentwicklung die Anliegen der Natur einbringen. Entspricht das Projekt den geltenden Gesetzen, steht einer möglichst naturschonenden Durchführung nichts im Weg. Leider gibt es immer wieder Projekte, bei denen dies nicht der Fall ist. Dank des Verbandsbeschwerderechts können wir als Anwältin der Gewässer dafür sorgen, dass solche Projekte auf ihre Gesetzeskonformität geprüft, überarbeitet oder gegebenenfalls sistiert werden.

Können Sie uns dies an einem Beispiel veranschaulichen?

Die Lammschlucht ist ein unberührtes Naturjuwel im geschützten UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch, durch das die Waldemme natürlich fliessen darf. Das hier geplante Wasserkraftprojekt wäre ein unverhältnismässiger Eingriff gewesen mit unabsehbaren Folgen für einen der letzten natürlichen Flussabschnitte der Schweiz. Darauf wurde bei der Planung ungenügend geachtet. Auch die enorme ökologische Bedeutung der Lammschlucht als Naturlaichgebiet für Forellen wurde zu wenig gewichtet. Daher liessen wir das Projekt auf seine Gesetzeskonformität prüfen. In den Verhandlungen wurde die Einschätzung der Umweltschutzorganisationen von den Behörden gestützt. Der Erfolg: Das Projekt wurde von den Planer:innen zurückgezogen. Durch das Ergreifen des Rechtsmittels konnte die Lammschlucht gerettet werden.

Zwei Bachforellen über steinigem Untergrund im Wasser
In der Lammschlucht finden Bachforellen aller Entwicklungsstadien einen geeigneten Lebensraum – von der Larve bis zum erwachsenen Tier. Bild: © Rotislav - stock.adobe.com

Wie ging es mit dem Projekt weiter?

Das Projekt wurde nicht verworfen, sondern redimensioniert und an einen weniger problematischen Ort verlegt. Oberhalb der Lammschlucht gibt es jetzt ein Kleinstwasserkraftwerk. Auch dies ist aus Sicht des Naturschutzes problematisch, aber die Lammschlucht konnte uneingeschränkt erhalten bleiben. Davon profitieren Mensch und Natur. Ein Besuch bei heissen Temperaturen lohnt sich!

Was würden Sie sich für zukünftige Projekte wünschen?

Frühzeitiges Einbeziehen der Stakeholder ist der Schlüssel für erfolgreiche Projekte. Zwar gibt es oft intensive Diskussionen, aber Schutz und Nutzen können aufeinander abgestimmt werden. So entstehen tragfähige Projekte.

Frau Leitgeb, vielen Dank für das Gespräch.

Autor

René Binkert, Kanton Aargau

Esther Leitgeb

ist Bereichsleiterin Gewässerschutz bei Aqua Viva und setzt sich unter anderem für die ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken ein. Sie ist in zahlreichen Projekten zu verschiedenen Aspekten des Gewässerschutzes involviert und vertritt mit grossem Engagement die Interessen der Schweizer Gewässer.

Kontakt:
Esther Leitgeb
esther.leitgeb(at)aquaviva.ch

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